Artists and Cultural Practitioners in Conversation
Rethinking the South
Ein Symposium mit interdisziplinären Perspektiven
03. - 05.03.2026
Rethinking the South beschäftigt sich mit den zentralen Fragen unserer Zeit: den Folgen kolonialer Geschichte, dem Leben in immer dichter werdenden Städten und den Auswirkungen des Klimawandels. Das dreitägige Symposium lädt dazu ein, neue Perspektiven auf globale Zusammenhänge zu entwickeln.
Die Veranstaltung bildet den Abschluss eines dreijährigen thematischen Residenzprogramms der KfW Stiftung in Zusammenarbeit mit der Vila Sul des Goethe-Institut Salvador-Bahia (Brasilien). Ausgehend von der stark afro-diasporisch geprägten Region Bahia konzipierten die KfW Stiftung gemeinsam mit der Vila Sul ein transkontinentales Residenzprogramm, in dem es um einen Perspektivenwechsel bei Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens ging. Während des Symposiums in Frankfurt diskutieren Künstler*innen, Denker*innen und indigene Aktivist*innen in Film- und Performancebeiträgen sowie moderierten Gesprächen ihre Arbeiten, Erfahrungen und Forschungsansätze. Wie prägen unterschiedliche Lebensrealitäten und Wissensformen unser Verständnis der Welt?
Mit Patti Anahory, Deji Akinpelu, Karla Claudio, Diego Crux, Kokou Ferdinand Makouvia, Nyancho NwaNri, Odun Orimolade, Huda Tayob, Lisa C Soto und Sao Sreymao
Sowie Beiträge von Xohãhi Pataxó, Poa Pataxó und Uine Lopes
Kurzbiografien der Künstler*innen
Moderiert von Yvette Mutumba, Mitgbegründerin und Executive Director Contemporary And (C&)
Begleitend zu den moderierten Podiumsgesprächen und künstlerischen Beiträgen werden an allen drei Tagen einzelne Filmarbeiten präsentiert, darunter der Dokumentarfilm Finding Lagos in Brazil von Deji Akinpelu sowie künstlerische Filmarbeiten von Sao Sreymao, Karla Claudio und Lisa C Soto.
Einzelne Formate des Programms werden dokumentiert und im Anschluss online auf dem Youtube Kanal der KfW Stiftung zur Verfügung gestellt. Die Veranstaltung findet auf Englisch statt. Beiträge in Portugiesisch werden simultan übersetzt.
Das Symposium wurde konzipiert und entwickelt von der KfW Stiftung. In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Salvador-Bahia.
Programm
Dienstag, 03.03.2026
Kartografie des Ozeans: Erinnerung und Wissen verorten
mit Patti Anahory, Uine Lopes, Odun Orimolade & Sao Sreymao
Über die Zeit hat der Ozean Kontinente und Menschen einerseits verbunden und sie gleichzeitig voneinander getrennt. Der Ozean bedeckt über siebzig Prozent der Erdoberfläche und beherbergt weit mehr als nur Pflanzen und Tiere. Er ist Speicher von Erinnerungen und Wissen – historisch, ökologisch und spirituell. Der erste Tag des Symposiums macht den Ozean zum konzeptionellen Ausgangspunkt. Was kann der Ozean über das empfindliche Gleichgewicht zwischen ökologischen und wirtschaftlichen Infrastrukturen erzählen?
| 15:00 | Performance: Ini Odun Orimolade | |
Die transdisziplinäre Künstlerin und Forscherin Odun Orimolade ist fasziniert vom Raum. In ihrer Praxis untersucht sie menschliche Verhaltenstendenzen, Orientierung und Interaktion als Navigationsmechanismen. Im Mittelpunkt ihrer Performance steht das Thema Wasser und wurde für den Kontext des Symposiums weiterentwickelt. Bitte beachten Sie, dass die Performance eine minimale Beteiligung des Publikums erfordert. | ||
| 16:00 | Im Gespräch: Ökologische und historische Wissenssysteme Patti Anahory, Uine Lopes & Sao Sreymao | |
Die Podiumsdiskussion beleuchtet miteinander verflochtene ökologische und historische Wissenssysteme. Die interdisziplinäre Architektin Patty Anahory und der Aktivist und Vorsteher der Bananeiras-Gemeinde auf Ilha de Maré, Salvador, Uine Lopes, denken die Insel in doppelter Funktion: als Zufluchtsort und abgeschlagenes Randgebiet, mit komplexen Allianzen und Abhängigkeiten zwischen der Umwelt und ihren Bewohner*innen. Im Mittelpunkt ihres Gesprächs steht das Leben rund um die Inseln der Baía de Todos dos Santos in Brasilien und die Rolle der indigenen Fischer*innen und Muschelsammler*innen der Bananeiras-Gemeinde. Als Künstlerin untersucht Sao Sreymao die Spannungen zwischen Land, Meersalz und Klang. Während ihres Aufenthalts verband sie ihr Wissen über die Ökosysteme Kambodschas mit der Landschaft von Salvador, Brasilien, um die transnationale Beziehung zwischen verschiedenen geografischen, ökologischen und politischen Kontexten zu erforschen. | ||
17:00 | Filmpräsentationen und Get Together | |
Mittwoch, 04.03.2026
Die Stadt als unser Habitat? Formen sozialer Strukturen
mit Huda Tayob, Deji Akinpelu, Lisa C Soto & Karla Claudio
Der zweite Tag des Symposiums verlagert den Fokus vom Wasser aufs Land. Aus kolonialer Sicht ist die Stadt – in verschiedenen Formen – die vorherrschende Struktur des Zusammenlebens, die Form, in der Menschen und Gemeinschaften soziale Infrastrukturen aufbauen.
| 15:00 | Im Gespräch: Transnationale urbane Strukturen Huda Tayob & Deji Akinpelu | |
| Angesichts der sozialen und ökologischen Herausforderungen, mit denen Städte weltweit konfrontiert sind, befasst sich der Fotograf und Dokumentarfilmer Deji Akinpelu mit der Stadt als Lebensraum, in ihrer historischen, so wie möglichen zukünftigen Bedeutung. Die Architektin und Kuratorin Huda Tayob erforscht spekulative Archive und alternative soziale Konzepte. In Salvador untersuchte sie gemeinsam mit lokalen Forscher*innen städtische Aufstände und die Geschichte, die in der Materialität der bebauten Umwelt verankert ist. Im Gespräch werden Akinpelu und Tayob ihre Erkenntnisse darüber teilen, wie alternative und spekulative Ansätze neue architektonische Strukturen ermöglichen können. Ein Gespräch über sozialen Wandel und städtische Innovation. | ||
| 16:00 | Künstlerische Impulse und Gespräch: Ökologien als soziale Infrastrukturen Lisa C Soto & Karla Claudio | |
| Ökosysteme werden durch städtische Strukturen ständig verdrängt. Was würde sich ändern, wenn wir sie als gleichberechtigt oder sogar als den überwiegenden Teil jedes Lebensraums anerkennen würden? Die Dokumentarfilmerin, Künstlerin und Pädagogin Karla Claudio untersucht die vielschichtigen Verflechtungen zwischen wilden Pflanzen und menschlichen Lebensräumen, die durch kulturelle, medizinische und landwirtschaftliche Beziehungen entstehen. Die bildende Künstlerin Lisa C Soto sucht nach Geschichten und Erkenntnissen, die sich aus der Einfuhr fremder Pflanzen in neue Umgebungen über Handelswege ergeben. Mit Hilfe imaginärer und realer Kartografie verfolgt sie die transnationale und Kontinent übergreifende Geschichte der Sklaverei über Jahrhunderte hinweg. Für das Symposium wird Soto ein Gedicht vortragen, begleitet von der Vorführung ihres Films Yo, como la gameleira. | ||
| 17:00 | Filmpräsentationen und Get Together | |
Donnerstag, 05.03.2026
Rethinking the South - Formen der globalen Kollaboration
mit Kokou Ferdinand Makouvia, Nyancho NwaNri, Xohãhi Pataxó & Poa Pataxó
Zum Abschluss des Symposiums und bereichert durch die vielseitigen Impulse und Forschungsbeiträge der vorangegangenen Tage, richtet sich die Diskussion noch einmal auf die Begrifflichkeit von ‚Süden‘: Was und wer ist damit gemeint? Ist der akademisierte Prozess des „Neudenkens“ dessen überhaupt zielführend? Welche Formen des Handelns sind für einen Umdenken notwendig?
| 18:00 | Performance: Kpégodoé, Bridging Worlds Kokou Ferdinand Makouvia | |
| In seinem Werk beschäftigt sich Kokou Ferdinand Makouvia mit Spiritualität und Materialität sowie den Beziehungen zwischen Ritual, Körper und Territorium. Im Mittelpunkt seiner Praxis steht die Herstellung von Verbindungen zwischen Menschen, Orten und den Energien, die diese verkörpern. Makouvias Performance lädt zum Austausch ein. Ursprünglich während seines Aufenthalts in Salvador konzipiert, hat er sie für das Symposium weiterentwickelt. | ||
| 18:30 | Im Gespräch: Rethinking the South Goethe-Institut & KfW Stiftung | |
| Die KfW Stiftung und das Goethe-Institut sprechen über Konzepte von Gastfreundschaft, Residenzprogrammen und institutionellen Formen der internationalen Zusammenarbeit. Wie gelingt die Entwicklung lokaler Strukturen im Spiegel eines globalen Netzwerks? Mit Friederike Möschel (Leiterin Goethe-Institut Salvador de Bahia), Dr. Katharina Ruckteschell-Katte (Leiterin der Abteilung "Kultur und Bildung" in der Zentrale des Goethe-Instituts e.V.) und Daniela Leykam (Programmleitung Kunst & Kultur, KfW Stiftung) | ||
| 19:00 | Filmscreening und Gespräch: Formen der Kollaboration - Partnerschaften im lokalen Kontext Xohãhi Pataxó, Nyancho NwaNri & Poa Pataxó | |
| Xohãhi Pataxó präsentiert einen Ausschnitt aus seinem Filmprojekt Naô Xohã (Warrior Spirit) und spricht über die Gestaltung von Kollaborationen zwischen global agierenden Kunstschaffenden und lokalen Gemeinschaften. Im Gespräch mit der Künstlerin, Dokumentaristin und Forscherin Nyancho NwaNri und Poa Pataxó reflektieren sie gemeinsam die Prozesse lokaler Vernetzung im Kontext von internationalen Residenzprogrammen. | ||
| 20:00 | Filmpräsentationen und Get Together | |
Die Plätze sind begrenzt. Um Anmeldung wird gebeten.
Residenzprogramm
"Rethinking the South - Repensando Sul"
2023 – 2025, Vila Sul, Salvador-Bahia, Brasilien
Über drei Jahr hinweg vergab die KfW Stiftung in Kooperation mit dem Goethe-Institut Salvador-Bahia jährlich vier Stipendien in verschiedenen Disziplinen an der Villa Sul in Salvador, Brasilien. Dafür wurde jährlich ein zentrales Thema in den Fokus gerückt: Im Jahr 2023 drehte sich alles um die Frage nach „Postkolonialen Gegenwarten“ und die afro-brasilianische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. In den folgenden Jahren galt die thematische Aufmerksamkeit zunächst den Aspekten von Stadträumen und Stadtentwicklung („Die zukunftsfähige Stadt“, 2024) und schließlich der Klimakrise („Recognised Limits“, 2025).
Die internationalen Kunst- und Kulturschaffenden arbeiteten jeweils zwei Monate lang in Salvador. Sie lernten die Stadt und ihre einzigartige soziale, politische und ökologische Geschichte kennen. Das Residenzprogramm richtete einen globalen Blick auf die Gestaltung unseres Zusammenlebens ausgehend von dem Residenzort Salvador. Als erste Hauptstadt Brasiliens und einst wichtigster Einfuhrhafen verschleppter und versklavter Menschen vom afrikanischen Kontinent, ist die Stadt ein symbolträchtiger Ort postkolonialer Geschichte und urbaner Transformationsprozesse. Welche Zukunft entwerfen wir angesichts kolonialer Kontinuitäten, urbaner Verdichtung und zunehmend spürbarer Klimafolgen? Und welche Rolle spielen künstlerische Perspektiven dabei, neue Wege jenseits anerkannter Grenzen zu denken?
Stipendiat*innen
Postkoloniale Gegenwart (2023):Diego Crux, Caroline Gueye, Odun Orimolade, Lisa C Soto
The Sustainable City (2024): Deji Akinpelu, Patti Anahory, Huda Tayob
Recognised Limits (2025): Karla Claudio, Kokou Ferdinand Makouvia, Nyancho NwaNri, Sao Sreymao
Mehr Informationen zum Residenzprogramm
Bildnachweise
01. Bild: Sao Sreymao, The Breath-Through the Sea, 2025, Zwei-Kanal-Filminstallation, 10 Min., 10 Sec. © Sao Sreymao
Fakten:
Datum: Di, 03. Mär 2026, 14:00 Uhr
Dauer: 03. März - 05. März 2026
Ort:
Villa 102 Bockenheimer Landstraße 102, 60323 Frankfurt am Main
Rethinking the South
Drei Tage Austausch und Begegnung
in der Villa 102
Di 03.03.2026, 15:00 - 18:00
Mi 04.03.2026, 15:00 - 18:00
Do 05.03.2026, 18:00 - 21:30
