Rethinking the South


Weltweit stehen Menschen vor drängenden Fragen zur Gestaltung ihres Zusammenlebens. Brasilien ist hierbei längst zu einem symbolischen Schauplatz für globale Herausforderungen geworden.

Ab 2023 initiiert die KfW Stiftung in Kooperation mit dem Goethe-Institut das dreijährige Programm Rethinking the South – Repensando Sul, das unter jährlich wechselnden Themen jeweils vier Stipendien in verschiedenen Disziplinen mit einer Regelzeit von zwei Monaten vergibt. Dabei steht jährlich ein zentrales Thema im Fokus. 2023 soll unter der Fragestellung nach „Postkolonialen Gegenwarten“ die afro-brasilianische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft diskutiert werden. Die folgenden Jahre widmen sich Stadträumen und Stadtentwicklung (2024) und schließlich der Klimakrise (2025).

Repensando Sul
Repensando Sul

Postkoloniale Gegenwarten – Themenschwerpunkt 2023

Die Einwohner*innen des Bundesstaats Bahia, dessen Hauptstadt Salvador ist, besteht überwiegend aus einer afro-brasilianischen Bevölkerung. Als erste Hauptstadt Brasiliens war Salvador über Jahrhunderte der wichtigste Einfuhrhafen aus Afrika verschleppter und versklavter Menschen. Dadurch entstand im Nordosten eine einzigartige Kultur, die weiterhin stark von ihren afrikanischen Wurzeln geprägt ist. Viele Afrobrasilianer*innen kritisieren institutionalisierten Rassismus, der ihnen weiterhin den sozialen oder akademischen Aufstieg verwehrt. Durch die Zerstörung wichtiger Archive nach der Sklav*innenbefreiung 1888 ist es für viele Afrobrasilianer*innen unmöglich, mehr über ihre Herkunftsregionen zu recherchieren. Die Frage nach den postkolonialen Gegenwarten bezieht auch die kulturelle Verdrängung der indigenen Völker Brasiliens ein. Welche Ausdrucksformen finden Kulturschaffende und Denker*innen zur Aufarbeitung der Historie? Welchen Raum nehmen Trauer und Konzepte von Heilung im postkolonialen Prozess der Identitätssuche ein? Wie können postkoloniale Gegenwarten und die Zukunft gestaltet werden?


Auswahlverfahren

International renommierte Expert*innen verschiedener künstlerischer Disziplinen, die in verschiedenen Regionen in Afrika, Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten tätig sind, nominieren herausragende Kulturschaffende. Direktbewerbungen sind nicht möglich. Eine Fachjury entscheidet über die eingereichten Bewerbungen. 

Jury 2023: Renate Heilmeier (Goethe Institut São Paulo), Dr. Helio Menezes (Kurator São Paulo Biennale 2022), Yvette Mutumba (Contemporary And, Stedelijk Museum, Kuratorin), Maria Berrios (Kuratorin), Daniela Leykam (KfW Stiftung)


Partner

Das Goethe-Institut Salvador-Bahia bietet mit der VILA SUL einen Residenzort für Kulturschaffende verschiedener Disziplinen für inhaltlichen Austausch und überregionale Vernetzung zum übergeordneten Thema ‚Süden‘. Mit einer Regelzeit von zwei Monaten werden bis zu 16 Stipendiat*innen jährlich eingeladen, ihre Forschung und Ideen zum ‚Süden‘ vor Ort zu bearbeiten. Dabei werden sie bereichert von der kulturellen Szene, von der Stadt und von der Natur. Aufgrund seiner historischen und kulturellen Vielfalt, ist Salvador de Bahia ein idealer Begegnungsort zwischen der lokalen Kulturszene und internationalen Resident*innen. Ziele der VILA SUL sind die langfristige und nachhaltige Vernetzung zwischen den kulturellen Szenen im In- und Ausland und damit einhergehend die Stärkung des interkulturellen Dialogs, die Initiierung von Perspektivwechseln, das Überschreiten von Grenzen sowie das Leben in einem anderen kulturellen Kontext.

Als das global tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland setzt sich das Goethe-Institut für die Verständigung zwischen Deutschland, Europa und der Welt ein.


Programmleitung

Daniela Leykam


Bildnachweise

01. Bild: Quelle: Goethe Institut, Urheber / Fotograf: Maria Fiedler
02. Bild: Quelle: Goethe Institut, Urheber / Fotograf: Lara Carvalho
03. Bild: Quelle: Goethe Institut, Urheber / Fotograf: André Fofano
04. Bild: Quelle: Goethe Institut, Urheber / Fotograf: Paulo Overbeck