Botanischer Garten Frankfurt


Gemeinsam mit dem Botanischen Garten Frankfurt setzt sich die KfW Stiftung für den Erhalt gefährdeter einheimischer Wildpflanzen in Hessen ein.

In diesem Projekt werden auf dem Gelände des Botanischen Gartens 15 Samenpflanzen, wie das Sand-Zwerggras oder die Wiesen-Schwertlilie vermehrt. Anschließend werden sie in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden und Naturschutzverbänden an ihrem natürlichen Standort wieder ausgewildert. 

Ziel ist es, den Gefährdungsgrad dieser Pflanzen zu reduzieren, da diese momentan auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen. Auf Grund des Verbreitungsbildes in Deutschland trägt das Land Hessen für sie eine besondere Verantwortung. Zudem leistet das Projekt einen Beitrag zur globalen Strategie zum Schutz der Pflanzen (Global Strategy for Plant Conservation, GSPC). Diese Strategie ist ein Programm im Rahmen der Convention on Biological Diversity, einem völkerrechtlichen Vertrag, dem die Bundesrepublik Deutschland beigetreten ist und damit entsprechende völkerrechtliche Verpflichtungen zum Schutz von Pflanzen übernommen hat.

Botanischer Garten Frankfurt
Botanischer Garten Frankfurt

Lebendige Dächer – artenreich und vielfältig

Dachbegrünungen bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum und schaffen ökologisch wertvolle Biotope im urbanen Raum. Das Potenzial für den Natur- und Artenschutz ist jedoch noch nicht ausgeschöpft. Viele der derzeit vorhandenen Dachbegrünungen werden bisher nicht zur Förderung der Artenvielfalt angelegt. Stattdessen werden sie artenarm und mit Zuchtsorten bepflanzt. Dies führt zu einer geringen ökologischen Wertigkeit.

Ziel des Projektes ist es, Dachflächen im Rhein-Main-Gebiet zwischen 2019 und 2024 für die heimische Biodiversität besser zu nutzen. Es soll eine höhere Artenvielfalt durch Strukturvielfalt erreicht werden. Das Rhein-Main-Gebiet mit der Stadt Frankfurt a. M. und Umlandgemeinden weist bereits zahlreiche Dachbegrünungen auf. Die Region ist eine bedeutende Wachstumsregion, in der alle Potenziale zur Förderung und Erhaltung der Biodiversität ausgeschöpft werden sollten.

Durch modellhafte Aufwertungsmaßnahmen, der Suche nach geeigneten Wildpflanzen und der Erprobung von gebietseigenen Wildpflanzen soll die urbane Biodiversität auf Dachflächen in dieser Region gesteigert werden. Es besteht die Möglichkeit, artenreich und vielfältig gestaltete Dachflächen im Rahmen der Ausgleichsregelung zur Kompensation von Bebauungsmaßnahmen zu nutzen und so zur Minderung städtischer Aufheizung im Sommer beizutragen, Lärm zu reduzieren, die Luftqualität zu verbessern und auch Niederschlagswasser auf der Fläche zurückhalten.

Für das Testen ökologischer Aufwertungen unter kontrollierten Bedingungen errichtete der Botanische Garten Versuchsanlagen, die die ästhetischen und ökologischen Vorteile einer hochwertigen Dachbegrünung veranschaulichen. Sie können im Botanischen Garten besichtigt werden. Das Projekt entwickelt sich auch außerhalb des Botanischen Gartens weiter. Gemeinsam mit mehr als 20 Kooperationspartner wurden bereits erste Dächer auf ihre Eignung untersucht und teilweise durch eine neue Bepflanzung aufgewertet. Diese Dächer werden zusätzlich als Versuchsstation genutzt, um unterschiedliche Varianten der ökologischen Aufwertung – verschiedene Saatgutmischungen, trockenresistente Stauden, Zwiebelpflanzen, bereichernde Strukturen und die Pflegepraxis – zu testen.

Zusätzlich wird die Thematik einer breiten Öffentlichkeit, Behördenmitarbeitern, Planern und Gewerbetreibenden zugänglich gemacht, um Eigentümer von Dachflächen zu motivieren, diese naturnah anzulegen oder aufzuwerten.


Pflanzen im Erhaltungsprojekt

Der einsetzende Frühling ist der Startschuss für das Projekt. Über die Vegetationsperiode bis zum Herbst sammeln Pflanzenspezialisten Samen folgender Arten ein: 

Steifer Lauch (Allium strictum), Duvals Schwingel (Festuca duvalii), Gewöhnliches Nadelröschen (Fumana procumbens), Sand-Silberscharte (Jurinea cyanoides), Sand-Zwerggras (Mibora minima), Aufrechte Weißmiere (Moenchia erecta), Acker-Schwarzkümmel (Nigella arvensis), Badener Rispengras (Poa badensis), Hügel-Knäuelkraut (Scleranthus verticillatus), Wiesen-Schwertlilie (Iris spuria), Sumpf-Fetthenne (Sedum villosum), Fünfmänniger Spergel (Spergula pentandra), Zweifelhafter Grannenhafer (Ventenata dubia), Drüsiger Ehrenpreis (Veronica acinifolia), Heide-Wicke (Vicia orobus).

Den Anfang macht das Zwerggras. Das kleinste Gras der Welt blüht zwischen Februar und April. Es wächst auf sandigen Äckern und hat seinen Verbreitungsschwerpunkt in Südhessen.


Wiederansiedlung Sand-Zwerggras

Am 05. Februar 2016 fand die erste Auswilderungsaktion statt. Das Sand-Zwerggras (Mibora minima) wurde in Rodenbach bei Hanau wieder angesiedelt werden. Die Aktion wurde vom Landschaftspflegeverband (LPV) und der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Main-Kinzig-Kreises durchgeführt und wissenschaftlich von Dr. Karl Peter Buttler begleitet, der auch das Saatgut an einem der letzten großen hessischen Vorkommen im Vorjahr sammelte. Das Zwerggras war bis vor etwa zehn Jahren noch in Rodenbach heimisch, bis das letzte Vorkommen durch Nutzungsänderung der Fläche erloschen ist. 

Das Sand-Zwerggras ist eine jener seltenen Arten, für deren Erhaltung das Land Hessen eine besondere Verantwortung besitzt. Auch wenn es bei uns nur noch wenige Vorkommen am Rand seines Verbreitungsgebietes gibt, so stellen diese doch einen wichtigen Teil des weltweiten Bestandes dar. Mit dieser ersten Wiederansiedlung, der noch weitere folgen sollen, verringert sich die Gefährdung der Art. Zudem wird das Zwerggras im Botanischen Garten Frankfurt am Main als Erhaltungskultur vermehrt und einer interessierten Öffentlichkeit präsentiert werden. Hier steht es außerdem für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung, etwa für genetische Untersuchungen. So wird ein Beitrag zum dauerhaften Schutz geleistet.


Rettung des Drüsigen Ehrenpreis

Gemeinsam mit dem Botanischen Garten Frankfurt setzt sich die KfW Stiftung für den Erhalt gefährdeter einheimischer Wildpflanzen in Hessen ein.

Ein kleiner, aber wichtiger Schritt für die Biodiversität: der Drüsige Ehrenpreis (Veronica acinifolia) konnte nachhaltig wiederangesiedelt werden.

Das letzte Vorkommen der einheimischen Wildpflanze befand sich bei Pohlheim-Hausen, südöstlich von Gießen. Ein vom Botanischen Garten beauftragter Experte fand im Frühling 2015 eine einzige Pflanze und konnte noch zehn Samen sammeln. Der Standort hatte sich ungünstig verändert, Hilfsmaßnahmen kamen zu spät und waren vergeblich.
Inzwischen ist die Population erloschen und die Art damit verschollen.

Die wenigen gesammelten Samen wurden im Botanischen Garten vermehrt, bis im Frühling dieses Jahres einige Dutzend Pflanzen für eine Auspflanzung bereit waren. Ihre Wiederansiedlung an einer neuen Stelle in einem nahegelegenen Schutzgebiet gelang.

Die Rettung der Art ist mit einem hohen Aufwand verbunden: Die Suche nach einer neuen geeigneten Heimat für die Sprösslinge, die fast tägliche Kontrolle der Pflanzen, die Abstimmung mit Landschaftspflegeverbänden, die detailgetreue Dokumentation.

Die KfW Stiftung unterstützt das Projekt des Botanischen Gartens zur Rettung von 14 weiteren bedrohten Samenpflanzen. Das Beispiel des Drüsigen Ehrenpreis verdeutlicht, dass sogar Pflanzen vor dem Aussterben bewahrt werden können, wenn ansonsten „alle Stricke reißen“ und bewährte Hilfsmittel in der Erhaltung versagen.

 

 



Programmleitung

Pia Puljanic
 


Bildnachweise:

01. Bild: Quelle: Botanischer Garten Frankfurt, Urheber/ Fotograf: Andreas König
02. Bild: Quelle: Botanischer Garten Frankfurt, Urheber/ Fotograf: Andreas König
03. Bild: Quelle: Botanischer Garten Frankfurt am Main, Urheber / Fotograf: Elke Brude
04. Bild: Quelle: KfW Stiftung, Urheber/ Fotograf: Pia Puljanic
05. Bild: Quelle: Botanischer Garten Frankfurt, Urheber/ Fotograf: Andreas König
06. Bild: Quelle: Botanischer Garten Frankfurt, Urheber/ Fotograf: Andreas König
07. Bild: Quelle: Botanischer Garten Frankfurt am Main, Urheber / Fotograf: Elke Brude
08. Bild: Quelle: Botanischer Garten Frankfurt am Main, Urheber / Fotograf: Uwe Barth
09. Bild: Quelle: Botanischer Garten Frankfurt, Urheber / Fotograf: Uwe Barth